Fasten: Heilsamer Verzicht

Die großen Weltregionen praktizieren seit Jahrtausenden das Fasten als Ritual, zur inneren Einkehr zu halten und um in seinem Leben zu neuer Klarheit und Struktur zu finden. Die Muslime reinigen während des Ramadan ihren Geist, sie essen einen Monat lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht. Im Judentum gibt es verschiedene Fastentage, um der jüdischen Geschichte zu gedenken. Auch Buddhisten und Hindus fasten. Und der katholische Teil der Weltbevölkerung feiert in den Wochen vor dem Osterfest die Fastenzeit, angelehnt an Jesus, der vierzig Tage in der Wüste fastete, um Erleuchtung zu erlangen.

Ganzheitlich modernes Fasten

War das Fasten früher eher religiös geprägt oder therapeutisch begründet, so dient es heutzutage als ganzheitlicher Impuls für die eigene Gesundheit. Vielleicht denkt man beim Fasten zunächst ans Abnehmen oder an einem gesunden Lebensstil, so ist Fasten doch eher ein Prozess auf mehreren Ebenen. Körperlich durch eine Entlastung und Regeneration – sozusagen eine Pause für Verdauung und Stoffwechsel. Mental entsteht ein Raum für Klarheit und Fokus auf eigene Themen und seelisch durch Innehalten, Reflexion und Neuorientierung.

Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses. „Verzicht“ ist dabei ein fast vergessenes Wort. Wir essen und trinken, leben in permanenter Reizüberflutung, erleben wachsende Umweltbelastung und streamen und konsumieren zu jeder Zeit in Social-Media-Kanälen. Dabei sehnen sich viele Menschen nach Einfachheit, nach Entschleunigung und einem bewussteren Umgang mit ihrer (Lebens-)Zeit. Dry January, Veganuary, Fair-bruary oder Digital Detox sind moderne Formen der temporären Askese und als Rückzug vom zu viel an Konsum. Genau hier setzt das Fasten an.

„Fasten ist kein Verzicht,
sondern die bewusste Einladung
zu Erneuerung und Regeneration.“

Langjährige Praxis – neue Erkenntnisse

Die vielen positiven Effekte, die durch das Fasten entstehen, sind von Experten und in der modernen Forschung sehr gut belegt. Wissenschaftler wie Professor Dr. Valter Longo („Iss dich jung“, ISBN: 978-3-44217714-1, 14 Euro) und Professor Dr. med. Andreas Michalsen („Ernährung – Meine Quintessenz“, ISBN:‎ 978-3458684381, 26 Euro) zeigen, dass Fastenkuren den Stoffwechsel neu ausrichten, die Zellgesundheit fördern und auch Entzündungen im Körper reduzieren können.

Was passiert im Körper während der Fastenphase?

Die Zeit des Fastens ist ein Erfahrungsraum und viel mehr als nur „nichts Essen“ und eine kurzfristige Methode zur Gewichtsregulation. Der ganzheitliche Ansatz unterscheidet sich daher deutlich vom kurzfristigen Diätkonzept. Der Körper wird in eine kontrollierte Hungersituation versetzt, dabei stellt er seinen kompletten Energiestoffwechsel von Glucose auf Fettverbrennung um. Nachdem er die Glucosereserven verbraucht hat, greift er auf die gespeicherten Energiereserven zurück. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Autophagie, der körpereigene Recyclingprozess, bei dem geschädigte und veraltete Zellbestandteile abgebaut, entsorgt und wieder erneuert werden. Auch das Immunsystem profitiert von der „Ruhephase“, entzündliche Prozesse können sich zurückbilden, die Insulinsensitivität kann sich verbessern und der gesamte Organismus wird entlastet und entsäuert. Fasten kann den Einstieg in eine gesündere und achtsamere Lebensweise sein und zudem dabei unterstützen, ein paar Kilos purzeln zu lassen.

Fasten bringt dein körpereigenes Recycling in Schwung!

Viele Menschen berichten von einer geschärften Wahrnehmung, mentaler Klarheit und einem bewussteren Körpergefühl nach dem Fasten.

  • Gehirn: Eiweißablagerungen werden abgebaut, Botenstoffe werden angepasst und der Serotoninspiegel erhöht sich. Das sorgt für gute Laune.
  • Haut: Der Stoffwechsel normalisiert sich, das Gewebe wird entwässert. Dies zeigt sich sehr gut im Hautbild.
  • Leber: Ungünstige Ernährung, Alkohol und mangelnde Bewegung belasten die Leber und sorgen für Fettablagerungen. Während des Fastens werden die Glykogenspeicher der Leber innerhalb der ersten 24 Stunden geleert.
  • Bauchspeicheldrüse: Die Bauchspeicheldrüse wird entlastet, die Insulinproduktion reduziert sich.
  • Muskeln: Tägliche Bewegung während des Fastens minimiert den Eiweissabbau aus den Muskeln.
  • Verdauungstrakt (Magen-Darm): Der Magen verkleinert sich, das Sättigungsempfinden verbessert sich und das Gewichtsmanagement gelingt leichter. Die Immunabwehr wird verbessert, u.a. durch ein gestärktes Mikrobiom. Die gesamte Magen-Darm-Region regeneriert sich.
  • Gelenke: Chronische Erkrankungen können gelindert werden (z.B. Rheuma, Arthrose, Osteoporose). Schwellungen und Gelenkentzündungen können abklingen. Die allgemeine Beweglichkeit verbessert sich. Mit ärztlichem Einverständnis können Medikamente eventuell reduziert oder auf diese komplett verzichtet werden.
  • Fett und Bindegewebe: Der Körper stellt die Energiegewinnung auf die Fettverbrennung um. Die Fettreserven (Ketone) gewährleisten die Versorgung des Organismus und werden über die Nieren und die Lunge ausgeschieden.
Fasten für den Geist – eine mentale Erfahrung

Beim Fasten braucht es vor allem die Willenskraft und das Vertrauen in den eigenen Körper. Man begibt sich beim Fasten auf eine Reise zu sich selbst, zieht sich etwas zurück aus dem Alltagstrubel, kommt zur Ruhe und besinnt sich auf sich selbst. Eine Zeit voller Selbstfürsorge und Wohlbefinden.

Eine fachliche und ganzheitliche Begleitung während der Fastenphase kann sinnvoll und hilfreich sein. Maßnahmen, wie Leberwickel, Kneipp-Wasseranwendungen, Bewegung und sportliche Aktivitäten wie auch Meditation und Entspannung unterstützen die Entschlackung und Entgiftung des Körpers. Der achtsame Austausch in einer Fastengruppe wirkt sich bereichernd und motivierend auf alle Fastenden aus und die Beratung durch eine erfahrene Fastenleitung fördert das Wohlbefinden und hilft auch in eventuell auftretenden Fastenflauten.

Ist Fasten gut für die Gesundheit?

Die Fähigkeit ohne Nahrung auszukommen und gespeicherte Nahrungsenergie zu nutzen ist der Menschheit angeboren. Es hat schon immer Phasen gegeben, in denen teils gezwungenermaßen nicht oder nicht viel gegessen wurde. Auch aus dem Tierreich kennt man den Nahrungsverzicht. Fasten aktiviert die Zellregeneration (Autophagie), regt die Stoffwechselprozesse an und der Körper greift auf seine eigenen Reserven im Fettgewebe zur Energiegewinnung zurück. Dennoch ist das Fasten nicht für jeden Menschen geeignet. Menschen mit einer Veranlagung zu Bulimie, Magersucht oder anderen Essstörungen sollten aufgrund eines Risikos zu einem Rückfall nicht fasten. Bei Vorerkrankungen sollte unbedingt auch der behandelte Arzt vorher konsultiert werden.

Reinigung und Regeneration von Innen – die Entgiftungsorgane im Zusammenspiel

Fasten wirkt sich nie isoliert auf ein einzelnes Organ aus. Vielmehr aktiviert es ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Systeme, die gemeinsam für Reinigung, Ausleitung und innere Balance sorgen. Neben dem Verdauungssystem sind es vor allem fünf Organe, die maßgeblich an diesen Prozessen beteiligt sind: Leber, Darm, Haut, Lunge und Nieren. Jedes von ihnen erfüllt dabei eine eigene, unverzichtbare Aufgabe – und doch arbeiten sie eng miteinander verbunden.

In dieser Ausgabe richten wir den Blick zunächst auf die Leber – das zentrale Stoffwechselorgan und die Schaltstelle der körpereigenen Entgiftung. Sie steht sinnbildlich für Regeneration, Neubeginn und innere Ordnung. In den folgenden Ausgaben werden wir uns Schritt für Schritt den weiteren Entgiftungs- und Ausscheidungsorganen widmen: dem Darm als Zentrum von Verdauung und Immunsystem, der Haut als Spiegel innerer Prozesse, der Lunge als Organ des Austauschs und der Nieren als fein justierte Filter unseres Körpers. So entsteht nach und nach ein ganzheitliches Bild davon, wie Reinigung und Regeneration von innen gelingen – und wie wir diese Prozesse im Alltag bewusst unterstützen können.

Die Leber

Die Leber findet im Alltag oft wenig Beachtung, steht aber beim Fasten im Mittelpunkt. Sie ist unsere wichtigste Stoffwechsel- und Entgiftungszentrale – sozusagen die „Chemiefabrik“ des Körpers und damit maßgeblich für das menschliche Wohlbefinden und die Vitalität verantwortlich. Die Leber übernimmt täglich eine Vielzahl lebenswichtiger Aufgaben. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut, baut Hormone ab, reguliert den Fett- und Zuckerstoffwechsel und speichert Vitamine (A und B12) sowie Mineralstoffe. Gleichzeitig ist sie eng mit Darm, Immunsystem und Haut verbunden. Unser moderner Lebensstil stellt das Organ jedoch vor große Herausforderungen. Zuckerreiche Ernährung, Alkohol, hochverarbeitete Lebensmittel, Umweltgifte und Medikamente können die Leber belasten. Entstehen zu viele Gifte und kann die Leber diese Gifte nicht vollständig abbauen, bleiben belastende Substanzen im Blut. So kann es zu Vergiftungssymptomen kommen, die sich in Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Energiemangel, Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Durchfall, Hautveränderungen, Gelenkproblemen oder einem Gefühl innerer Schwere zeigen.

Von der nichtalkoholischen Fettleber (NAFL) sind mittlerweile in Deutschland ca. 25% der erwachsenen Bevölkerung betroffen, oft in Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom (Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck) und überwiegend bedingt durch einen ungünstigen Lebensstil. Mit gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Gewichtsabnahme sowie einer ganzheitlichen Unterstützung kann sich diese häufig auftretende Zivilisationskrankheit vollständig zurückbilden.

Im Fasten wird die Leber durch das Recycling der Zellorganellen und die zelluläre Reinigung der Leberzellen unterstützt, so dass sie ihre wichtigen Funktionen wieder gut ausüben kann. Eine pflanzenbetonte basische Ernährung in den Aufbautagen nach der Fastenkur entlasten die Leber spürbar. Fastende berichten nach ihrer Kur von einem gesteigerten Energiegefühl, besserer Verdauung und mehr Leichtigkeit.

Natürliche Helfer und ganzheitliche Maßnahmen für die Lebergesundheit:
  • Die Durchblutung durch feuchtwarme Auflagen (Leberwickel) anregen
  • Kneipp-Anwendungen warm und kalt
  • Phytotherapie / Bitterstoffe wie Artischocke, Mariendistel („die Königin der Leber“), Rosmarin, Gelbwurz (Kurkuma)
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BlattGrün Verlag

Unsere Fachartikel wurden im Blattgrün Verlag in unterschiedlichen Ausgaben veröffentlicht.
Wir laden Dich herzlich ein, dort mehr über unsere Arbeit und unsere Impulse zur ganzheitlichen Gesundheit zu erfahren.